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dmexco (II) – Da ist was fail im digitalen Dorf. Ein nativer Rückblick auf die dmexco 2016.

von Peter Schweizer | 25.09.16 11:00 |

Meinungsmache

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Digitale Transformation und Industrie 4.0 – Themen bei denen die Augen der CEOs, CTOs und CIOs dieser Welt leuchten und Digital-Dienstleister die digitalen Schaufeln auspacken und ihre virtuellen Claims abstecken. Goldgräberstimmung wo man auf der dmexco in Köln, der internationalen Leitmesse für digitales Marketing, auch hinsah. Wer den ersten Internetboom, die “New Economy” Ende der 90er Jahre erlebt hatte, dem wurde es ganz warm ums Herz.

Ein paar Haare sind dann aber doch in der digitalen Suppe. 

Fangen wir einfach mal mit der Tatsache an, die sich mit der papier- und beleglosen Kommunikation beschäftigt. So waren die Tickets der Messe im Vorfeld direkt und einfach aufs Handy zu laden. Feine Sache, kennt man auch vom Helene Fischer Konzert. Kommt man dann in Köln an, lässt sich das Handy dann auch problemlos am Eingang als Eintrittskarte verwenden um damit einen Papierstreifen auszudrucken, den man doch bitte mit sich tragen soll. Warum das so ist, erschließt sich uns erst viel später, auch wenn es sich dem Gros der Besucher und Aussteller wohl bis heute nicht erschlossen hat. 

Betritt man nach der obligatorischen Taschenkontrolle dann die erste Halle, offenbart sich einem ein bunter Jahrmarkt der digitalen Möglichkeiten. Ein digitales Dorf, das man sich gerne auch per App erschließen möchte, die sich min Ermangelung eines freien WLANs dann aber leider nur via 3G aus dem AppStore laden lässt. Sie macht einen netten Eindruck, ist ja schließlich auch eine Messe von und für Werber.

Innovativ ist die App dann aber doch nicht, eher eine schicke digitale Variante eines ehedem gedruckten Katalogs. Schade, so verschenkten die ambitionierten Veranstalter die Chance zu zeigen, wie man sich in den Hallen via elektronischer Beacons und dem vielbeschworenden “Internet of Things, IoT” zwischen den Ständen orientiert, Freunde und Bekannte im Durcheinander ortet, oder auf den Punkt genau informiert wird, wenn man gerade am nächsten großen Ding vorbeimarschiert.

Mir hätte es übrigens gereicht, wenn man mit dem Handy hätte bezahlen können. Aber vielleicht im nächsten Jahr. Da wäre dann auch ein freies WLAN eine coole Sache – wenn eines vorhanden war, habe ich es leider nicht finden können.

Hat man dann das Handy enttäuscht wieder in die Chinos gepackt, stellt einen die Messe auf die nächste Probe. 95% der Stände sehen super aus, die restlichen 5% einfach nur gut. Wo aber alle die vollen 100% erreichen: das kollektive Versagen einfach mal zu kommunizieren, was verdammt nochmal auf dem Stand verkauft wird. Nehmen wir als Beispiel den Stand der jungen Firma YouAppi, der uns direkt am Eingang imposant begrüßt. Was macht das mir bislang komplett unbekannte Unternehmen? Leider schweigt sich die Standgestaltung darüber aus. Kein Plakat, kein Hinweis. Schade, weil fragt man einen der jungen Asiaten, dann bekommt man in gebrochenem Englisch, im Lärm der Halle auch nicht wirklich einen Einblick ins Tun und Wirken des StartUps. Es beschäftigt sich mit übrigens mit Klickbetrug und ähnlichen Dingen, wie mir eine schnelle Internetrecherche anschließend verrät.

Aber dafür gibt es schöne Werbegeschenke.

Apropos Werbegeschenke, wer wie ich die Gnade der Geburt in den ausgehenden 60er-Jahren hatte, erinnert sich noch an die tollen Zeiten auf der CeBit in Hannover. Damals konnte man den Zustand der ITK-Branche alleine an der Zahl der Kugelschreiber und Werbegeschenke, die einem aufgedrängt wurden, ablesen. Mehr Daten braucht es eigentlich auch heute nicht und orientiert man sich daran, explodiert die Digital-Branche gerade. Wenn auch, anstatt der legendären Borland Schweineunterhose aus dem Jahr 1989, heutzutage Smoothies in allen Farben und Formen ausgeschenkt werden.

Und Oracle kehrt auf das Messeparkett zurück, wenn das keine Zeichen ist. Ein anderes Zeichen für das etwas zwiespältige Verhältnis der Digital-Branche zum eigenen Produkt dürften zwei abschließende Beobachtungen aus Köln sein.

Ganz im Sinne der Digitalisierung konnte man den Papierschnipsel, der am Eingang ausgespuckt wurde, über den darauf aufgedruckten Barcode, als Visitenkarte nutzen. Leider wussten das von den 30 Ständen an denen ich vorstellig wurde, nur zwei Ansprechpartner. Auch ein Zeichen für den digitalen Wandel, wenn Informationen vor lauter Transformation einfach nicht mehr ankommen.

Und zum Schluß eine Bitte fürs kommende Jahr: liebe Aussteller, liebe Organisatoren: Wenn man sich auf einer Messe für Digitale Medien, Digitale Transformation und Buzzwording am Ende mit drei schweren Jute-Taschen, bis an den Rand vollgepackt mit bedrucktem Papier, auf den Heimweg macht, dann hat irgendjemand innerhalb des gesamten Prozesses den Schuß noch nicht gehört.

Kann aber auch daran liegen, dass sich die Messe vorrangig an Werbeagenturen richtet und die können halt ohne Papier nicht. 

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